Fassaden Begrünung
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Gesucht: Winzer to go

Nein, liebe Leserinnen und Leser, wir halten nichts von Wein zum Mitnehmen. Wir sind wie Sie der Meinung, einen guten Pälzer Riesling kann man nicht im Vorbeigehen herunterschütten – des wär jo noch emol scheener! Jo alla, warum „Winzer to go“ Wer solln do wen mitnemme?, fragen Sie sich bestimmt. Lassen Sie sich überraschen! Denn wir wollen Ihnen heute ein Modell vorstellen, das einige Bürger in Köln ins Leben gerufen haben. Im Podcast Auf Weinlese mit einem Stadtwinzer erfahren Sie noch mehr über dieses interessante Projekt. Aber hier nun die Kurzfassung:

Thomas Eichert ist Winzer. Hobbywinzer. Weinberge hat er nicht – und braucht sie auch gar nicht. Denn er hat sich mit Hausbesitzern zusammengetan, die gern eine begrünte Fassade hätten, aber die Pflege nicht selbst übernehmen wollen. Die Vereinbarung lautet: Thomas Eichert pflanzt und pflegt den Rebstock, erntet die Trauben und keltert den Wein. Den Ertrag teilt er sich dann mit dem Hausbesitzer. Der hat dann eine pflegeleichte begrünte Fassade, und im Keller noch ein paar Flaschen eigenen Wein für besondere Anlässe. Eine klassische Win-Win-Situation!

„Wein im Keller ist ja schön und gut. Aber geht da nicht meine Fassade kaputt?“, so die üblichen Bedenken. Doch die kann der Stadtwinzer aus Köln entkräften: Im Gegensatz zu wildem Wein oder Efeu ranken die Reben nicht an der Hauswand empor, sondern winden sich nur um Schnüre oder Drähte. Dadurch wird die Hauswand eher geschützt als beansprucht. Auch die Wurzeln richten keine Schäden an – sie schützen vielmehr vor Feuchtigkeit, da sie das Wasser aus der Tiefe aufnehmen. So brauchen sie weder viel Platz noch besondere Erde, lediglich ein sonniger Platz ist wichtig. Denn wenn die Sonne morgens die Reben gut trocknet, sind diese weniger anfällig für Mehltau. Doch Winzer Thomas Eichert geht auf Nummer sicher und spritzt seine Trauben vorbeugend – mit einer Mischung aus Milch und Wasser.

Vom „Trauben-Sharing“ profitieren nicht nur Thomas Eichert und die Hauseigentümer, sondern auch die Anwohner. Denn begrünte Fassaden werten nicht nur das Stadtbild ästhetisch auf, sondern haben eine Reihe von Eigenschaften, die in Zeiten des Klimawandels unverzichtbar sind: Sie wirken im Sommer kühlend, im Winter praktischerweise wärmeisolierend. Außerdem binden Sie CO2 und filtern giftige Stickoxide aus der Luft, was sich positiv auf die Gesundheit der Anwohner auswirkt.

Und die hat in Bad Bergzabern einen hohen Stellenwert. Wir glauben: Was in Köln seit 18 Jahren erfolgreich praktiziert wird, funktioniert bei uns in Bad Bergzabern erst recht! Denn Südfassaden und Sonne gibt es hier mehr als genug! Fehlt nur noch ein ambitionierter Hobbywinzer oder einer, der es werden möchte. Fühlen Sie sich angesprochen? Dann melden Sie sich doch unter bza-nachhaltig@online.de. Eine begrünbare Südfassade wartet schon auf Sie.

Einen Wehrmutstropfen hat das Projekt für Thomas Eichert doch: Verkaufen darf er seinen Wein nicht. Wohl aber mit Freunden und Verwandten zusammen in geselliger Runde trinken.

Na dann, stoßen wir an. Vielleicht bald schon mit einem Gran Cru de Trottoir? Zum Wohl!

(Text: Amely Munz)

Erschienen im Südpfalzkurier

Der Text basiert auf einem Podcast von Gartenradio fm: Gran Cru de Trottoir: Auf Weinlese mit einem Stadtwinzer

Bild: Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay

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